Rebbau

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  • Rebbauer beim der Weinlese (öffnet vergrössertes Bild in neuem Fenster)
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Mechanisierung und naturnähere Produktion
Im Hinblick auf die steigenden Produktionskosten mussten Wege gefunden werden, die Arbeitszeit im Weinbau zu senken. Durch das Erstellen von Drahtanlagen mit Reihenabständen von 1.80 bis 2.20 m gegenüber Stickelreben von 90 cm bis 1.10 m wurde es möglich, die Bodenbearbeitung, das Spritzen und einzelne Laubarbeiten im Direktzug mit Rebbergtraktoren zu bearbeiten. 

Während man bei Stickelreben mit rund 1500 Std./ha rechnen musste, wurde es bei modernen Drahtanlagen möglich, den Arbeitsaufwand auf 700 bis 1000 Std./ha zu senken. Eine Familie kann 4 bis 6 ha Drahtanlagen bearbeiten. Die Umstellung auf die breiten Reihenabstände brachte jedoch neue Probleme mit sich. Der Boden ist, da grösstenteils unbeschattet, stark der Sonne ausgesetzt, und Gewitterregen schwemmen den Boden leichter aus. Die Böden sind vermehrt der zerstörenden Erosion ausgesetzt, was durch das Befahren mit den Traktoren noch verstärkt wird. 

Die Auswirkungen waren: Bodenverdichtung, Chlorose, Nachlassen der Wüchsigkeit, Mangelerscheinungen trotz genügender Düngung und Mineralstoffvorrat im Boden. Der biologischen Tätigkeit des Bodens und der Erhaltung eines fruchtbaren Humus musste neue Beachtung geschenkt werden.

Zur Beschattung des Bodens und zur natürlichen Aktivierung der Bodenbiologie und der Humusbildung begann man, besondere, der Rebe zuträgliche Kleegrasmischungen einzusäen, die während der Vegetationszeit gemäht werden.
Weil durch eine naturnähere Pflanzart die Reben widerstandsfähiger gegen Schädlinge werden, können auch Kupfer- oder Giftspritzungen, die den Boden belasten, mehr und mehr eingeschränkt oder gar vermieden werden. Es wird so insbesondere den natürlichen Nützlingen Lebensraum geschaffen, so dass sie sich vermehren und die Kontrolle über die Schädlinge ausüben können. 

Die produzierte Traubenmenge wird beschränkt, dass sich die Pflanze nicht erschöpft und auch die Traubenqualität wertvoll bleibt. Anfangs der neunziger Jahre wurden erste Versuche mit der Integrierten Produktion aufgenommen, denen sich rasch mehr und mehr Produzenten anschlossen. Diese haben das gemeinsame Anliegen, eine möglichst naturnahe Produktion zu betreiben und die erwähnten Anforderungen zu erfüllen. Die Integrierte Produktion (IP) ist eine landwirtschaftliche Nutzungsform, die zur Erzeugung von hochwertigen Nahrungsmitteln und Rohstoffen natürliche Ressourcen und Regulationsmechanismen als Ersatz für umweltbelastende Betriebsmittel verwendet, um eine nachhaltige Landwirtschaft zu sichern. Auf der Basis einer ganzheitlichen Denkweise orientiert sie sich am gesamten Landwirtschaftsbetrieb als Einheit, an der zentralen Bedeutung der Agro-Ökosysteme sowie an ausgeglichenen Stoffkreisläufen. Grundlegend ist die Erhaltung und Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und einer vielgestaltigen Umwelt. 

Unter Schonung der Umwelt und mit Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit und der gesellschaftlichen Erfordernisse werden biologische, technische und chemische Massnahmen sorgfältig aufeinander abgestimmt. Diese Form der zeitgemässen Bewirtschaftung der Reben hat sich weitgehend durchgesetzt, und praktisch alle Kellereien, Selbstkelterer und Handelsbetriebe verkaufen Weine, welche die strengen Erfordernisse an eine IP erfüllen. 

Traubenverwertung - einst und jetzt
Es ist der Verdienst der Eidg. Versuchsanstalten Wädenswil und Lausanne (heute Changins) und der heute ausschliesslich in der Romandie ansässigen Weinfachschule, dass sich eine auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufgebaute Traubenverarbeitung und Weinpflege immer mehr durchsetzte. Das Resultat war eine ganz erhebliche Qualitätsverbesserung bei den nach neuzeitlichen Methoden gekelterten Weinen. Bei der Qualitätsbeurteilung wird insbesondere auf die Messungen des spezifischen Gewichtes des Traubenmostes durch amtliche Weinlesekontrolleure abgestellt. 

Im Gegensatz zu früher werden heute die Trauben abgebeert. Die Maische, der Beerenbrei beim Blauburgunder, oder der Traubenmost beim Riesling x Sylvaner, werden durch Zugabe von Reinhefe in Gärung gebracht. Die Art der Hefe, welche den Zucker in Alkohol und Kohlensäure verwandelt, hat auf die Güte des Weines einen grossen Einfluss. Die allgemeine Tendenz, weniger gerbstoffhaltige und elegante Weine zu erhalten, wird unterstützt durch das Abpressen der Maische zwischen 5 bis 15 Grad Oechsle.
Die Maischenerwärmung hat sich innert weniger Jahre als weiteres, sehr interessantes Verfahren für die Rotweinzubereitung eingeführt.
Als sehr günstig erweist sich folgendes Arbeitsverfahren: die abgebeerte Maische wird in geeigneten Apparaten sofort nach dem Abbeeren auf 60 bis 65 Grad Celsius erwärmt und anschliessend, nach rund zwei Stunden Wartezeit, abgepresst.
Die neueste Entwicklung tendiert bei der Maischenerwärmung auf Temperaturen von 70 bis 80 Grad Celsius bei Kurzzeit-Erhitzung und möglichst rascher Rückkühlung auf Normaltemperaturen (15 bis 20 Grad Celsius). 

Rebenveredelung
Gleichzeitig mit der Gesamtmelioration (1949) im Unterklettgau erfolgte die vollständige Umstellung des einheimischen Rebbaus auf veredeltes, reblauswiderstandsfähiges Pflanzengut. 

Die Einführung von Klonen
Die gezielte Vermehrung von ausgewähltem Zuchtmaterial durch Veredelung auf standortgerechte Unterlagensorten bot dem Weinbau ungeahnte Möglichkeiten zur Verbesserung der Produktionssicherheit sowie zur Steigerung der Traubenqualität. Als Klon wird die gesamte erbgleiche Nachkommenschaft eines einzigen Mutter-Rebstockes bezeichnet.
Neue Projekte, die in Zusammenarbeit mit den eidgenössischen Forschungsanstalten angegangen wurden, betreffen den Ausschluss von Viren und Bakterien, welche zum Teil verborgen im Vermehrungsmaterial vorkommen und bisher durch den Veredelungsvorgang unbewusst und ungewollt verbreitet wurden.
Im Hinblick auf die langfristige Gesunderhaltung von hochwertigem Vermehrungs- und Pflanzmaterial werden neuerdings auch die Möglichkeiten der «in vitro»-Kultur für die Vermehrung und Pfropfung von Rebpflanzen geprüft. Die Vermehrungstechnik für den Rebbau wird auch weiterhin einem ständigen Wandel unterworfen sein. 

Guter Ruf der Hallauer Weine
Durch vermehrte Werbung und die verbesserte Qualität bekamen die Klettgauer Weine bald einen derart guten Ruf, dass die Nachfrage während der 70er und 80er Jahre das Angebot in manchen Jahren überstieg.
Ende der 80er Jahre entstand wegen Grossernten und durch enorme Konkurrenz der Westschweiz wiederum eine Situation mit grossen Weinlagern, in der die Produzenten nur noch relativ kleine Mengen Trauben pro Quadratmeter abliefern durften.
Die mit weniger als 1000 g Trauben pro Quadratmeter rigoros eingeführte Beschränkung bedeutet für die Rebleute ein Einkommen unter dem Existenzminimum. Die positive Seite lag darin, dass eine weitere erhebliche Qualitätssteigerung erzielt werden konnte.
Der Wein von rund 15’000 Aren Rebfläche und die Bergkirche St. Moritz - als Blickfang für den ganzen Klettgau - haben Hallau weit über die Grenzen des Kantons hinaus bekannt gemacht.
Auf tiefgründigen, fruchtbaren Böden pflegen heute annähernd 200 Rebbesitzer Blauburgunder, Riesling x Sylvaner, Chardonnay, Pinot Gris, Räuschling und Gamay x Reichensteiner.
Empfehlenswert ist auch ein Besuch im Schaffhauser Weinbaumuseum in Hallau.