Geschichte

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1064: Ersterwähnung Hallau's
Hallau wurde 1064 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt, im Vergleich zu den umliegenden Dörfern erst spät. Welche Schwierigkeiten die Wiedergabe des Wortes Hallau den Schreibern brachte, zeigt folgende Auswahl: Hallaugia (lateinisch), Hallouwa, Hallowe, Hallow, Halouv, Hallöw, Halleuw usw. 

1280: Erste Erwähnung des Rebbaus in Hallau
Der Klettgau weist heute die grössten zusammenhängenden Rebanlagen in der Deutschschweiz auf. Seine Weine sind berühmt und weit herum geschätzt. Es gehört jedoch zu den Eigentümlichkeiten der Geschichte des Rebbaus, dass die Reben in den Urkunden erst spät erwähnt werden. Wie überall herrschte der Getreideanbau vor: Das Getreide war die Grundlage der Ernährung neben der Viehzucht.

1491: Bau der Bergkirche St. Moritz
Die Bergkirche St. Moritz als herausragendes Denkmal sakraler Bauten steht heute unter eidgenössischem Denkmalschutz. Die Erbauung im Spätmittelalter hängt mit dem Wunsch der damaligen Hallauer Bevölkerung zusammen, der durch den Papst abgesegnet und vom Konstanzer Domkapitel erfüllt wurde. Die Wahl der Anhöhe folgte der Tradition anderer Klettgauer Gotteshäuser und lag wohl auch darin begründet, dass sie den Kirchgängern Oberhallaus auf halbem Weg entgegen kam. Den Nimbus eines Wahlfahrthortes erhielt die Kirche wegen angeblich erwirkten Wunderheilungen durch den heiligen Mauritius und dessen Reliquien. Den Wundermythos verstärkten bekanntlich die beim Bau der Kirche 1491 aufgedeckten alemannischen Gräberfunde, die man als gefallene Jünglinge der von Mauritius angeführten thebäischen Legion deutete.
Aus Platzgründen wurde nach der Reformation die Südseite des Schiffes erweitert und - vor allem zur Unterbringung der Oberhallauer - die Empore vergrössert. Die Platzfrage löste sich dann endgültig, als Unterhallau 1713 die kirchliche Trennung von den Oberhallauern erreichte. 1976/78 wurde die Bergkirche mit kantonaler und eidgenössischer Finanzhilfe gründlich saniert.

1499: Schwabenkrieg
Um den Klettgau zu erobern, rückte unter dem Befehl des Grafen Wolfgang von Fürstenberg ein schwäbisches Heer von etwa 6000 Mann am 04. April 1499 von Tiengen aus ins Tal. Andere Truppen kamen unter Graf Sigismund von Lupfen von Stühlingen her, so dass insgesamt wohl bei 8000 Mann gegen Hallau zogen. Sein oder Nichtsein! - das war nun die schicksalsschwere Frage! Die alten Hallauer lösten sie mit Bravour und Entschlossenheit.
Schon um sieben Uhr stand Oberhallau in Flammen. Die Mannschaft von Hallau, verstärkt durch die eidgenössische Besatzung von nur 50 Mann, zusammen höchstens 400 Bewaffnete, zogen sich zunächst in den damals von vier Wehrtürmen flankierten Kirchhof St. Ulrich im Dorf zurück.

Die schwäbischen Truppen begnügten sich schliesslich damit, das wehrlose Dorf anzuzünden, auszuplündern und sich an Wein und Lebensmitteln gütlich zu tun. Als gegen fünf Uhr abends die Verteidiger einen wütenden Ausfall gegen die wohl zwanzigfache Übermacht wagten, löste sich das schwäbische Heer in Flucht auf, wobei man allerdings auch die Wirkung des Weins in Rechnung setzen muss. Historiker sprechen von 100 bis 300 gefallenen Feinden. Dieser Kampf der Hallauer gehört in die Reihe jener Waffentaten, durch die eine kleine, todesmutige Schar eine gewaltige Übermacht besiegte und zum Abzug zwang. 20 tote Gemeindebürger und eine grosse Zahl von Verwundeten bedeckten die Walstatt.

Die 16 Fahnen von Hallau und die 16 Tischgenossenschaften
Mit dem Eintritt ins stimmberechtigte Alter wird heute noch wie vor Jahrhunderten jeder stimmberechtigte männliche Einwohner in Hallau einer besonderen Tischgenossenschaft zur Teilnahme an den Gemeindeversammlungen zugeteilt. Seit 2001 nun auch die stimmberechtigten weiblichen Einwohnerinnen von Hallau.
Die 16 Tischgenossenschaften haben eine altehrwürdige Tradition, denn sie entsprechen den 16 alten Hallauer Fahnen, die vermutlich 1547 mit der Einteilung von Wehrmannschaften geschaffen wurden. Dieser 16 Fahnen (=16 Rotten) erinnerte man sich wieder im Jahre 1633 während des Dreissigjährigen Krieges.

Schulhäuser seit 1508
Als sich Hallau im Jahre 1508 kirchlich von Neunkirch löste, amteten in der Bergkirche ein Läutpriester und in der Dorfkirche ein Kaplan. Da dieser Kaplan mit kirchlichen Aufgaben nicht voll beschäftigt war, wurde ihm zusätzlich die Pflicht auferlegt, als Schulmeister Unterricht zu erteilen. Damit war die erste Hallauer Schule gegründet, die wohl als eine der ersten Volksschulen bezeichnet werden darf.
Seit 1424 wohnte der jeweilige Kaplan in dem dicken, viereckigen Mauerturm "Hohwehri" genannt, an der Nordwestseite des Kirchhofs. In diesem Gebäude, später unter dem Namen "Lernung" bekannt, unterrichteten bis zur Reformation katholische Kapläne. Am Gebäude bei der unteren Kirche stand vermutlich über 400 Jahre der Spruch "Lernung ist besser dann Haus und Hof, dann wann Haus und Hof hin ist, ist Lernung noch vorhanden".
Das heutige Primarschulhaus wurde 1851 erstellt und beherbergte während vieler Jahre alle Volksschüler.

Im Jahre 1902 gab es in Hallau 28 Wirtschaften
Rebbesitzer hatten vor mehr als hundert  Jahren das Recht, sofern sie einen guten Leumund besassen, ein "angeschriebenes" Haus zu führen. Da die Häuser mit ehemaligen Wirtschaften hoffentlich noch lange ihre alten Namen tragen, ist es interessant zu wissen, wo sie sich damals befanden. So wissen wir beispielsweise von folgenden Häusern, dass sie 1902 als Wirtschaften geführt wurden: Morgental, Hallauerhof, Fronhof, Adler, Bierbrauerei, Wunderklingen, Hirschen, Löwen, Linde, Falken, Platz, Maienburg, Krug, Scheideweg, Bad, Glocke, Schweizerbund, Eintracht, Café du Nord, Rathauskeller, Gemeindehaus, Rebstock, Bären, Engel, Anker, Sommerau, Lindenhof und Hausen. Heute sind es noch acht Wirtschaften.
Die Sommerau am Graben (Bahnhofstrasse) wurde in einer kalten Winternacht des 18. Dezembers 1938 ein Raub der Flammen. In der Folge ist der nebenan liegende Bolligarten mit seinem Baumbestand von einigen Einwohnern gekauft und der Gemeinde zur neuen Verwaltung übergeben worden.
Auf diesem Gelände entsteht im Jahre 2010 ein öffentlicher Kinderspiel- und Begegnungsplatz.